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Dr. Rüdiger Haas gibt Tipps für entspannte Weihnachten. Bild: LWL

17.12.2020: Entspannte Weihnachten in der Familie – trotz Corona

Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Rüdiger Haas gibt Tipps, wie es gelingen kann

An den Weihnachtstagen rücken viele Familien etwas näher zusammen und verbringen mehr Zeit gemeinsam zu Hause. Da bleiben Konflikte oft nicht aus, zum Beispiel, weil es unterschiedliche Vorstellungen über die Gestaltung der Festtage gibt. Familien, in denen Kinder mit psychischen Problemen leben, erleben diese Konflikte häufig noch extremer. Aktuell kommen die Beschränkungen durch die Corona-Krise hinzu. Da müssen zum Beispiel Treffen mit vielen Freunden unterbleiben, die dem einen oder anderen Jugendlichen sicher so manches mal als Katalysator vor allzu viel „Familienidylle“ gedient haben. Wie Weihnachten doch noch zu einem entspannten Fest werden kann, dazu gibt der Kinder-und Jugendpsychiater Dr. Rüdiger Haas von der Marler Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) einige praktische Tipps.

Herr Dr. Haas, dass der Medienkonsum in der Zeit der Pandemie nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen gestiegen ist, zeigt jüngst eine Studie der DAK. Was mache ich, wenn sich mein Sohn oder meine Tochter an Weihnachten nicht von der Playstation bzw. dem Computer oder dem Handy lösen kann?
Die Zeiten sind momentan sehr verunsichernd und anstrengend. Für die Tage über Weihnachten würde ich großzügig sein. Jeder sucht Struktur und Sicherheit. Für die Jugendlichen gehören die Konsolen und Videospiele dazu. Der Kontakt zu Freunden über die sozialen Netzwerke ist sehr wichtig, da man sich persönlich nicht treffen kann. Vielleicht schafft man es, mit den bekannten Gesellschaftsspielen das Interesse zu wecken.  

Das Festessen steht auf dem Tisch, aber meine Tochter, die ohnehin sehr stark auf ihr Gewicht fokussiert ist, will auf keinen Fall etwas mitessen, um nicht zuzunehmen. Wie soll ich reagieren?

Das Weihnachtsessen hat viel mit Tradition zu tun und mit Kalorien. Meist sind es sehr schwere Mahlzeiten. Auch da wäre ich offen und flexibel. Vielleicht kann man die alten Traditionen etwas aufweichen und die Kinder und Jugendlichen in die Planung und die Zubereitung mit einbeziehen. Die Kochbücher von Ottolenghi sind gerade bei den Jugendlichen sehr angesagt. Da wird viel vegetarisch und leicht gekocht. Das kann man dann zusätzlich anbieten. Gemeinsam Kochen macht in der Familie viel Spaß.

Viele Familien haben bestimmte Rituale, wie das gemeinsame Schmücken des Baums oder den Gottesdienstbesuch. Aber gerade in diesem Jahr hat der Nachwuchs einfach keine Lust hier mitzumachen, vielleicht auch, weil ja durch Corona sowieso alles andere ganz anders ist. Hilft es, hier ein Machtwort zu sprechen?

Rituale anzubieten, bleibt gerade in diesen Zeiten sehr wichtig. Die Eltern
sollen sich auch auf ihr Weihnachtsfest freuen. Zu Konflikten führen meist die eigenen Erwartungen an die Anderen, die Kinder. Schnell wird man enttäuscht und ärgerlich. Wenn Eltern selber Freude am Baum schmücken haben, kommen die Kinder eher von sich aus mal dazu. Weihnachten soll schon ein friedliches Fest sein. Machtkämpfe gehören da nicht hin.
Dieses Weihnachtsfest fordert uns in besonderem Maße. Wir sind alle aufgefordert, geduldig zu sein, flexibel und ein bisschen großzügig im Umgang mit den Lieben. Da bedarf es besonderer Kreativität und der Bereitschaft auch mal ausgetretene Wege zu verlassen. So kann es uns gelingen, Weihnachten in Zeiten von Corona entspannt und mit Freude zu erleben. Unvergessen wird es in jedem Fall bleiben.