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Informierten zum Thema Mobbing: Dr. Rüdiger Haas, Carsten Osterkamp und Dr. Christian Zoll. Bild. Ina Fischer

11.02.2020 „Mobbing kommt in jeder Schule vor!“

Volles Haus beim Haard-Dialog in der LWL-Klinik Marl-Sinsen

„Mobbing kommt in jeder Schule vor. Auch wenn sich manche Schulleitung das nicht vorstellen kann“, so Dr. Rüdiger Haas anlässlich des Haard-Dialogs vor 140 Gästen in der Marler Fachklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Auffällig sei, erläuterte der Kinder- und Jugendpsychiater, dass das Mobbing an sich wesentlich intensiver geworden ist. Dafür sorgen die entsprechenden Werkzeuge wie Social Media.

Gerade in der Sekundarstufe 1, im Alter von 11 bis 15 Jahren würden Jugendliche sich gerne innerhalb des Klassenverbandes zu Gruppen zusammenschließen und sich gegen andere abgrenzen. Dieses Verhalten gebe ihnen Sicherheit und sorge für eine Ausschüttung des sogenannten Bindungshormons Oxytocin im Gehirn. Dabei findet laut Haas ein ständiger Abgleich der Gruppenmitglieder untereinander statt. Konformität ist gefragt. Wer da aus der Reihe tanze werde schnell gemobbt. Für die Opfer ist das eine schlimme Situation, denn sie können aus dieser Gruppe, dem Klassenverband nicht oder nur schwer fliehen.

Ein Einbruch des Selbstwertgefühls, Angst, Schlafstörungen und sogar eine depressive Episode oder ein Trauma können die Folgen sein, erklärte der Ärztliche Direktor der LWL-Klinik Marl-Sinsen in seinem Vortrag. Viele Opfer geben sich letztendlich selbst die Schuld an diesem Geschehen.
Im Rahmen einer Therapie sei es neben einer Stärkung des Selbstwertgefühls wichtig, gemeinsam mit den Opfern zu ergründen, ob es in ihrem Verhalten einen Ansatzpunkt für einen Mobbingangriff gebe. „Das ist ein hochsensibles Thema für diese Kinder und Jugendlichen und erfordert eine sehr vertrauensvolle Beziehung“, so Haas, „denn es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, wieder ins Handeln zu kommen, um sich nicht mehr hilflos ausgeliefert zu fühlen.“

Dr. Christian Zoll von der LWL-Tagesklinik Borken berichtete anhand eines Fallbeispiels davon, wie schwer es manchen Mobbingopfern fällt, wieder in ein normales Leben und zurück zu einem regelmäßigen Schulbesuch zu finden.

„Für Täter sind Mobbingopfer eine Tankstelle, um ihr Selbstwertgefühl aufzutanken“, beleuchtete Carsten Osterkamp von der Ev. Jugendhilfe Münsterland das Thema von einer anderen Seite. „Es ist wichtig, mit ihnen abzuklären ob Sie das Unrecht ihrer Handlungen verstehen und sie auch Konsequenzen spüren zu lassen.“ Der Erzieher und Anti-Aggressivitätstrainer hatte einige Tipps, sowohl für Eltern von Opfern, Tätern aber auch für Lehrer mit im Gepäck, wie Mobbingfällen in Klassen begegnet oder sogar verhindert werden kann.

„Nehmen Sie ihre Kinder ernst! Dokumentieren Sie Vorfälle. Sprechen Sie mit Lehrern, Vertrauenslehrern oder mit der Schulberatungsstelle in ihrem Kreis und falls nötig suchen Sie mit Ihrem Kind einen Therapeuten auf, “ lautete sein Rat für betroffene Eltern.


Der nächste Haard-Dialog findet am 5. Mai zum Thema Kiffen statt.