Informierten beim Haard-Dialog über das Thema Angst: Moderator Bernd Overwien, Julia Nowak, Christina Ojo, Manfred Betker, Agatha Dominek, Klaus Röder, Saskia Stahl und Dr. Rüdiger Haas. Bild: Jürgen Wolter

16.05.18 Angst lässt sich nicht wegtherapieren

Fachleute der LWL-Haardklinik informierten zahlreiche Zuhörer

 

„Eine Therapie, die jemandem bei Angststörungen die Angst nimmt, die gibt es nicht“ so Dr. Rüdiger Haas von der Marler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Mit diesen Worten räumte der Ärztliche Direktor des Fachkrankenhauses gleich zu Beginn des vierten Haard-Dialogs mit einem Vorurteil auf. Zahlreiche Besucher hatten sich im klinikeigenen Festsaal versammelt, um mehr über Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen zu erfahren.

Überhaupt sei Angst an sich ein wichtiges Gefühl, das mitunter Leben rette, erklärte Haas weiter. Sie bewahre viele Menschen davor, sich in gefährliche Situationen zu begeben und wirke in moderater Form manchmal sogar motivierend. Davon könnten Generationen von Studenten erzählen, die auch aus Angst zu versagen, ernsthaft für ihr Examen lernen. „Die Angst vor der Angst mit ihren körperlichen Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Schwitzen und Atemnot, das ist unser Thema in der Therapie“, führte der Kinder- und Jugendpsychiater weiter aus.


Wie junge Patienten lernen, sich ihrer Angst zu stellen und sie als beherrschbar zu erleben, darüber gaben Agatha Dominek und Manfred Betker Auskunft. Im Rahmen der sogenannten Expositionstherapie begleiten die Therapeutin und der Erzieher Kinder und Jugendliche in angstbesetzte Situationen. „Es ist wichtig für die jungen Menschen zu erleben, dass die Angstkurve, die vermeintlich ins unermessliche schießt und lebensbedrohliche körperliche Auswirkung hat, gar nicht so hoch geht und auch wieder abfällt, ohne dass etwas passiert“, erklärte Dominek.

Schulangst lautete das Thema von Julia Nowak, Klaus Röder, Christina Ojo und Saskia Stahlberg aus dem Kollegium der klinikeigenen Schule in der Haard. Als wichtigste Strategien für einen angstfreien Schulbesuch nannten sowohl Ojo als auch Stahlberg das Vertrauen der Schüler zu gewinnen, sie in kleinen Schritten mit wenigen ausgewählten Stunden an den Unterrichtsbesuch zu gewöhnen, sie nicht zu überfordern und für ein positives Klassenklima zu sorgen. Hierzu setzten die Lehrer der Schule auch schon einmal ungewöhnliche Methoden ein, wie Grammatikübungen beim Fußballspielen oder Rollenspiele. Auch Schulhund Theo trage zu einer entspannten Lernatmosphäre bei, so Konrektorin Julia Nowak. „Es geht darum, die Jungen und Mädchen zu stärken, damit sie den Übergang in ihre „alte“ Schule gut bewältigen können“, erklärte Saskia Stahlberg. Dazu gehöre mitunter auch, dass Lehrer der Klinikschule die Schüler anfangs in die Heimatschule begleiten, um ihnen Sicherheit zu geben.

Die an die Vorträge anschließende, rege und emotionale Diskussion zeigte deutlich, wie sehr Eltern und anderen Betroffenen dieses Thema auf den Nägeln brennt. Was denn zu tun sei, wenn sich die Lehrerschaft der Schule bei der Rückkehr ihrer Tochter trotz einer entsprechenden Information durch die Klinikschule völlig gleichgültig und wenig empathisch zeige, wollte eine Mutter wissen. „Dann kontaktieren Sie uns und wir suchen das Gespräch“, lautete die Antwort von Schulleiter Klaus Röder. Ein weiterer Betroffener sorgte sich, dass er keinen Therapieplatz für seine Tochter bekäme. Hier konnte Dr. Haas direkt helfen „wenn es sich um einen Notfall handelt, können Sie sich jederzeit mit Ihrem Kind bei uns vorstellen.“

 

Der nächste Haard-Dialog findet am 4. September statt.