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Freuen sich sichtlich über die Auszeichnung: Konrad Staschenuk (Mitte) , LWL-Krankenhausdezernent Prof. Dr. Meinolf Neoeker (hintere Reihe, 2.v.r.) die Betriebsleitung und Waldpädagogen der LWL- Haardklinik sowie Vertreter der Umwelt- und Naturschutzakademie NRW.(Bild/LWL/Seifert)

27.06.2018 : Die Natur hilft heilen - Der Wald als Therapie

 

Waldpädagogisches Angebot der LWL-Haardklinik erhält Auszeichnung

Große Freude bei den Beschäftigten und Patienten der Marler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das waldpädagogische Angebot der Fachklinik wird als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ im Sonderwettbewerb „Soziale Natur-Natur für alle“ ausgezeichnet.

Diese Ehrung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die mit Ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die die Natur und die biologische Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bieten.

LWL-Krankenhausdezernent Professor Dr. Meinolf Noeker ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Auszeichnung an Konrad Staschenuk zu übergeben. Der Diplom-Heilpädagoge hatte sich mit dem Projekt: „Heilende Wirkung der Waldpädagogik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie“ bei der UN-Dekade Biologische Vielfalt beworben.

Welche Möglichkeiten der Wald bietet, um Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen beim Gesund werden zu helfen, darüber berichtete Konrad Staschenuk in seinem anschaulichen Vortrag. „Alleine der Weg in den Wald kann schon ein Abenteuer sein“, so Staschenuk, „Anfangs rennen die Kinder los aber sobald der erste eine interessante Entdeckung macht, gelingt es auch den unruhigsten Kindern wie solchen mit einem ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) für einen Augenblick langsamer zu werden und innezuhalten. Auf diese Weise kehrt nach und nach immer mehr Ruhe in die Gruppe ein.“ Gemeinsam werden Käfer, Vögel und andere Waldbewohner beobachtet oder auch mal Kräuter gesammelt. Beim gemeinschaftlichen Hüttenbau entpuppt sich so mancher  eher schüchterne Patient zum begehrten Ideengeber. Das stärkt das Selbstwertgefühl. „In dem sie etwas bauen oder kreieren machen verbessern die Gruppenteilnehmer ihre Handlungsplanung“, so Staschenuk. Dies sei ein wichtiges Therapieziel bei Kindern mit ADHS.  Außerdem wird  beim Hüttenbau ganz nebenbei gemeinschaftliches Handeln geübt – eine wertvolle Erfahrung für junge Patienten, denen es an Sozialkompetenz mangelt. Auch Vertrauen in sich und andere kann man im Wald lernen. So wie Sebastian (Name geändert), er hat seiner Mutter geholfen, über eine Slackline zu balancieren. Dass seine Mutter sich völlig auf ihn und seine Fähigkeiten verlassen hat, sorgte bei dem siebenjährigen noch tagelang für eine vor Stolz geschwollene Brust. Eine wichtige Erfahrung für den sonst eher unsicheren Jungen.

„Selbst therapeutische Gespräch entwickeln sich in diesem naturnahen Umfeld einfacher“, stellt der Waldpädagoge fest. Die Kinder seien hier häufig ganz einfach entspannter als in einem Therapieraum. In dieser Hinsicht profitierten die Patienten natürlich von der besonderen Lage der LWL-Haardklinik am Rande der Haard. „Die Waldpädagogik ersetzt kein Medikament“, weiß Konrad Staschenuk, „aber sie bietet unseren Kindern und Jugendlichen wertvolle Impulse und Erfahrungen auf dem Weg in eine gesunde Entwicklung!“

www.jugendpsychiatrie-marl.de


Hintergrund

Seit 2015 gehört die Waldpädagogik zum festen Angebot für die jungen Patienten der LWL-Klinik Marl-Sinsen. Speziell geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen jeweils zu zweit eine fünf bis siebenköpfige Patientengruppe mit in den Wald. Sowohl Eltern als auch Geschwisterkinder können mit in die Waldpädagogik einbezogen werden. So wird die familiäre Interaktion gestärkt und den Beteiligten die Möglichkeit aufgezeigt, auch nach der Therapie gemeinsame Naturerfahrungen im Wald zu machen und so zusammen eine positive Zeit zu verbringen.

In Zusammenarbeit mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW in Recklinghausen führt die LWL-Klinik Marl-Sinsen regelmäßig Fortbildungen zum zertifizierten Waldpädagogen bzw. zur zertifizierten Waldpädagogin durch.

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Sie wird im Auftrag von und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium (BMUB) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) von der Geschäftsstelle der UN-Dekade umgesetzt. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen. Insgesamt wünscht sich die Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt durch den Sonderwettbewerb „Soziale Natur- Natur für alle“ mehr Menschen mit Hilfe der Natur zusammenzubringen, dabei soziale Grenzen und Hindernisse zu überwinden und gleichzeitig mit vereinten Kräften einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu leisten. www.undekade-biologischevielfalt.de