(vl): Martin Forck, Ilona Betker und Dr. Rüdiger Haas gaben spannende Einblicke in das Thema Bindung. Foto: Ina Fischer

13.02.2019 Nachbericht: Haard-Dialog Mit Sicherheit zum Selbstvertrauen

Fachleute der LWL-Haardklinik informierten Zuhörer beim Haard-Dialog
 „Erziehung ist eine Aneinanderreihung von Fehlern – und das ist auch gut so“, sagte Dr. Rüdiger Haas von der Marler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Mit diesen Worten sicherte sich der Ärztliche Direktor die volle Aufmerksamkeit der cirka 90 Zuhörer beim Haard-Dialog zum Thema Bindung.

„Wenn sie Fehler machen, registrieren ihre Kinder, dass ihre Eltern nicht perfekt sind. Das ist gut so. Denn das gibt ihrem Nachwuchs quasi die Lizenz, sich ebenfalls ab und zu einen Patzer zu leisten“, ergänzte Haas. Bekanntlich lerne man schließlich aus Fehlern.

Eine sichere Bindung lässt auch Eigenständigkeit zu
Um zu lernen und neue Erfahrungen zu machen, bedürfe es einer sicheren Bindung, erläuterte der Kinder- und Jugendpsychiater. Die  Basis hierfür werde in den ersten beiden Lebensjahren geschaffen. Bestandteile einer sicheren Bindung von Eltern und Kindern seien Sicherheit, Urvertrauen, Nähe, Konstanz und Vorhersehbarkeit aber auch Ausprobieren, Zutrauen, Freiraum, Abwechslung und Überraschung. Gelinge die Balance zwischen diesen Polen, sei der Grundstein für eine gelungene Bindung gelegt.

Verschiedene Bindungstypen
Die  Art der Bindung, zum Beispiel ob sicher oder unsicher, bestimme die Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter. „Sie hat zum Beispiel einen Einfluss darauf, ob ich mit Konflikten umgehen kann oder diese lieber vermeide“, so Haas, „natürlich kann ich mein Verhalten auch dann noch ändern, aber dazu muss ich mir erst darüber bewusst werden und anschließend daran arbeiten. Das ist nicht ganz einfach.“

Selbstwirksamkeit ist der Schlüssel zum Glück
Natürlich sei es für Eltern niemals einfach, ihr Kind selbständig in neue, unbekannte Situationen zu entlassen, egal, ob es um das Erklimmen eines Klettergerüstes oder um den ersten nächtlichen Club-Besuch gehe. Da sitze die Angst quasi mit auf der Parkbank oder der Bettkante. „Diese  Angst auszuhalten, das gehört zum Eltern-Sein dazu“, so Haas, und weiter: „So geben sie ihren Kindern das Gefühl, dass sie ihnen etwas zutrauen und stärken ihr Gefühl der Selbstwirksamkeit.“

Mit Marte Meo den Blick auf das Positive richten
Wie man Bindung und Kommunikation fördern kann, zeigte Ilona Betker in ihrem anschaulichen Vortrag zum Marte Meo. Bei diesem videogestützten Coaching werden Kommunikations-situationen zwischen Eltern und Kindern aufgezeichnet und positive Bestandteile aufgespürt. Wenn wir anschließend mit den Eltern die Videos anschauen und sie auf diese positiven Sequenzen aufmerksam machen, sind sie häufig überrascht und erleichtert. Denn „wir neigen dazu, uns nur negative Erlebnisse zu merken“, so die Heilpädagogin. „Dabei können wir Entwicklung viel besser mit einem positiven Blick fördern.“

Entspannen und aktiv sein
Auch beim sogenannten Snoezelen ist ein Blick auf das Positive in einer Beziehung oder Kommunikation wichtig. Der Begriff Snoezelen setzt sich zusammen aus den niederländischen Worten snuffelen (riechen) und doezelen (dösen). In speziellen Räumen haben sowohl Eltern als auch Kinder die Möglichkeit, sich zu entspannen und ihre Sinne zu aktivieren. Egal, ob sie auf einem Wasserbett, unter einem Sternenhimmel sphärischen Klängen lauschen, eine Massage genießen oder im Bällebad toben.

 „In dieser gelösten Atmosphäre gelingt es den Erwachsenen besser, positive Verhaltensweisen ihrer Zöglinge zu erkennen, sie in ihrem Tun zu bestätigen und ihnen auch haltgebend zur Seite zu stehen“, so Martin Forck, „das ist eine wichtige Erfahrung für beide Seiten.“ Auch zu Hause könne man snoezelen, so der Sozialpädagoge. Dazu reiche ein kleiner Rückzugsort, mit einer Matratze unter einem Baldachin, kostengünstigen Massageroller oder Igelbällen schon aus.

Der nächste Haard-Dialog findet am 14. Mai statt.